Das Zeitalter der Segelschiffe



Der Tagesablauf eines Matrosen


Das Leben an Bord eines Segelschiffes war hart, oft gefährlich und meistens schlecht bezahlt. So war es für die Schiffsbesitzer und Marineoffiziere nicht einfach, die notwendigen Besatzungen für ihre Schiffe zusammenzubringen. In Frankreich gab es deshalb für junge Männer eine Art Dienstpflicht für die Marine. In Amerika gab es nach der Revolution 1776 genug freiwillige, da bei der Marine die Bezahlung gut war. England und Rußland besorgten sich die Matrosen mit Gewalt. Verbrecher mußten statt ins Gefängnis auf ein Kriegsschiff, selbst alte Männer, die kaum mehr den schweren Dienst verrichten konnten, wurden an Bord genommen, da die Kriegsschiffe immer volle Besatzungen haben mußten.
Die übelste Art zu Matrosen zu kommen, gab es bei der Handelsschiffahrt und der englischen Marine. Eine Gruppe erfahrener, trinkfester Matrosen, sogenannte Presskommandos, wurden an Land geschickt und streiften durch die Hafenkneipen. Sahen sie einen kräftigen jungen Mann, der schon getrunken hatte, machten sie ihn volltrunken, ließen ihn dann einen Vertrag unterschreiben, der ihn verpflichtete, eine bestimmte Zeit auf einem Schiff Dienst zu tun, und schleppten ihn an Bord, wo er meistens erst auf hoher See von seinem Rausch aufwachte.
Die Heuer wurde erst nach der Beendigung der oft mehrjährigen Seereise ausgezahlt. Hatte die Matrosen dann nach langer Zeit endlich wieder festen Boden unter den Füßen, führte sie der erste Weg meist in eine Kneipe, wo sie sich betranken und oft wieder für ein neues Schiff geködert wurden.
Der Tag des Seemannes war in sogenannte Wachen eingeteilt. Auf englischen Schiffen z. B. dauerte eine Wache vier Stunden ( ist bei der deutschen Marine heute noch so ). Die Gruppe, die gerade Dienst hatte, war die "Deckswache", die anderen die "Freiwache".
In friedlichen Zeiten begann der Dienst auf einem Segelschiff morgens um 3.30 Uhr. Der Bootsmann pfiff zum Aufstehen, und dann wurden die Segel gesetzt, das Deck geschrubbt, und die üblichen Arbeiten verrichtet. Abgesehen von den Essenpausen ging der Dienst ununterbrochen bis 8.00 Uhr abends.
Das wichtigste Handwerkszeug des Bootsmannes war seine Pfeife. Mit ihr blies er zum Aufstehen, zu bestimmten Arbeiten oder wenn ein hoher Offizier an Bord kam. Er war weiterhin verantwortlich für die Segel, die Takelage und außerdem für die Disziplin unter der Schiffsbesatzung.
Bei Nacht wurden die meisten Segel eines Schiffes eingezogen, so daß man nur langsam und sicher durch die Nacht segelte. Am Morgen war die erste Arbeit der Matrosen, die Segel aufs Neue zu hissen, um wieder in volle Fahrt zu kommen.
Gegen 11.30 Uhr erklang auf britischen Schiffen der beliebteste Befehl: " Antreten zum Rum fassen!" Jedem Matrosen stand täglich ein viertel Liter Rum, gemischt mit Wasser, zu, da der Rum der einzige Alkohol war, der während der langen Seereise nicht schlecht wurde.
Etwa um17 Uhr gab es in der Mannschaftsunterkunft die Hauptmahlzeit. Der Koch brachte Essen in einem großen Kübel aus der Kombüse. Auf großen Schiffen hatte jede Matrosengruppe, Offiziere und Seesoldaten ihren eigenen Koch.
Der Befehl: "In die Hängematten!" wurde im Normalfall etwa um 20 Uhr gegeben. Die Haken der Hängemattenaufhängung waren in den unteren Decks befestigt, und jeder Matrose hatte seinen eigenen Schlafplatz.
Nur die Schiffswache zog bei Nacht ihre Runden und man hörte auf den ohne Licht fahrenden Schiffen nur den beruhigenden Ruf: "Alles in Ordnung!" und dazu das leise Knarren der Masten.

Ganz so hart wird es beim 10. Segeltörn der Betzinger Schützen nicht zugehen, wenn sie vom 10. bis 21. August von Rostock aus in Richtung östliche Ostsee auslaufen. Ziel bei diesem "Jubiläumstörn" ist die Stadt Vispy auf der schwedischen Insel Gotland. Schon eine kleine Herausforderung, wie Skipper Martin Duba bei der Planung bemerkte, aber bei gutem Wind kann die Strecke in diesen 2 Wochen bewältigt werden. Vielleicht müssen wir die eine oder andere Nacht durchsegeln, aber da habt Ihr ja Erfahrung, so sein Kommentar bei der Planung des Törns vor gut einem Jahr. Dieser Herausforderung möchten sich natürlich die schon erfahrenen Mitsegler der Betzinger Gilde stellen, aber auch ein paar Neulinge haben sich für den Törn bereits bei Organisator Klaus-Michael Tront angemeldet. Alle Plätze sind aber noch nicht belegt und es besteht die Möglichkeit bei diesem Abenteuer auf dem Dreimastgaffelschoner Regina Maris dabei zu sein und die schöne Landschaft der schwedischen Schären von der Seeseite aus zu bewundern.
Wie bereits in den letzten Jahren startet der Törn mit dem Verladen von Gepäck und Proviant im Betzinger Schützenhaus, am Sonntag, 9.August 2009. über Nacht geht es dann mit dem Bus nach Rostock, um dort am Montagmorgen an Bord zu gehen.
" Alle Leinen los und ein" wird es nach dem Verstauen von Verpflegung und Seesack heißen und sobald es der Wind erlaubt folgt ein weiterer Befehl, der, wenn er auch mit Arbeit verbunden ist, auf einem Segelschiff immer gern gehört wird: " Segel setzten"!
Nach diesem "Allemannsmanöver" merkt man dann deutlich den Unterschied zum Tagesablauf der Matrosen aus früheren Zeiten. Heute steht man zusammen um zu plaudern, setzt sich je nach Wetterlage an Oberdeck oder in die Messe zum Lesen, spielt eine Runde Skat oder Pinokel, begibt sich in die Steuerhütte um sich vom Skipper in die Geheimnisse der Navigation einweisen zu lassen oder legt sich einfach ins Klüvernetz und genießt seinen Urlaub. Fremde Häfen, stille Buchten, oder aber eine zünftige Fete an Oberdeck mit DJ Markus. Der Törn bietet viel Abwechslung und ist für alle Altersgruppen geeignet.
Im Preis von 950.- Euro sind die An- und Abreise mit dem Bus und die Verpflegung enthalten. Getränke werden separat abgerechnet.
Interesse geweckt?? Dann meldet Euch einfach bei Klaus-Michael oder Claudia Tront an.

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